Aphorismus

Pressefreiheit

Skandale werden aus Schlagzeilen gemacht und umgekehrt. Beides ist ein Missbrauch der Pressefreiheit.

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Aphorismus

Schlagzeilen

Wenn man morgens um Sieben in Deutschland zur Arbeit geht, haben sie schon lange ihre über die ganze Stadt verteilten Plätze eingenommen, um uns aufzulauern: die Schlagzeilen. Als wären sie reißerische und großmäulige Filmtitel feuern sie an jeder Straßenecke mit Wörtern wie „Horror-Unfall“, „Killer-Bakterie“, „Jahrhundertflut“, „Daten-GAU“ oder „Klima-Kollaps“ auf uns. Sie tun das nicht wie Heckenschützen feige aus dem Hinterhalt, sondern öffentlich und werden dafür auch noch vom Grundrecht auf Pressefreiheit in Schutz genommen. Sie verfügen über eine treffsichere Durchschlagskraft, gegen die es allerdings ein wirksames Gegenmittel gibt: die gezielte und vorsätzliche Abstumpfung. Dagegen ist selbst das doofste Reizwort machtlos.

Aphorismus

Flüchtig

Die Flüchtigkeit des Zeitgeists ist mit der des Alkohols vergleichbar, so wie die Giftigkeit des Alkohols mit der des Zeitgeists vergleichbar ist. Wenn man dennoch wissen will, wie der Zeitgeist gerade tickt, kann man sich querfeldein durch das Internet klicken, um sich auf die Höhe der Zeit upzudaten. Man kann sich aber auch in einen gut sortierten Bahnhofskiosk verfügen und sich dem Studium der Titelschlagzeilen diverser Zeitungen und Zeitschriften widmen. Auch dadurch bekommt man einen ungefähren Eindruck über diejenigen Aktualitäten, über die man sich aufregen soll und aus staatsbürgerlicher Perspektive vielleicht sogar muss, oder über solche, die man allenfalls zur Kenntnis nimmt, um sie gleich wieder aus dem Gedächtnisspeicher zu tilgen.