Emsemsem präsentiert

Globulon nimmt Kurs auf Schröder XIII

Schon als Kind betätigte ich mich als Cutter. Kein Katalog und keine Zeitschrift war vor mir sicher. Ich schnitt aus, und ich klebte wieder zusammen. Ich schuf Bilder, ohne schon zu wissen, dass die Kunst dafür einen Namen bereit hielt: Collage.

Und älter werdend schnitt ich weiter, was mir unter die Finger kam. Einmal habe ich den Karton eines Schallplattenversands zur Projektionsfläche für meine Collagenwut verwandelt. Das Ergebnis hat bis heute jeden Umzug überstanden. Kein Wunder: Diese Collage war die Bild gewordene Antithese zu der „Alles muss raus“-Ideologie des modernen Wirtschaftslebens. Und sie trägt autobiographische Züge.

Sogar mein erstes kleines Transistorradio einschließlich der Schlaufe oben opferte ich der Kunst. Oben sieht man die Trageschlaufe, und etwas rechts darunter die Senderskala (Mittelwelle pur) und die Lautsprecherverkleidung. Es kostete mich das Vermögen von 39 DM. Das waren bis auf 1 DM meine gesamten Ersparnisse.

Mit der Zeit begann ich ein Faible für die graphische Gestaltung von Zeitschriften zu entwickeln. Ich erinnere mich besonders an die Fotozeitschrift „Zoom“, an das von Hans Magnus Enzensberger begründete Magazin „TransAtlantik“ und an den Titanic-Vorgänger „Pardon“. Wie ich diese Zeitschriften beneidete um ihre bildhaften Ausdrucksmöglichkeiten! Als ich im Studium erkannte, dass ich Kopierer, wenn auch auf einem denkbar niedrigen Niveau, meinen Zwecken dienstbar machen konnte, gab es kein Halten mehr. Ich gründete als Dr. Huborius Futzlmann FUTTER, die Zeitschrift für Nimmersatte, die es auf 32 Ausgaben mit einer in Spitzenzeiten sagenhaften Auflage von 25 Exemplaren brachte. Mit Fug und Recht kann ich behaupten, dass FUTTER die einzige Zeitschrift war und ist, die ihre Leser persönlich gekannt hat.

Das Titelbild von FUTTER 32, dem man das Computerzeitalter ansieht. Keine Spur mehr von Schreibmaschine, Schere und Klebstoff.

Es ist einen Hinweis wert, dass mir erst etwa 1973 eine Schreibmaschine zur Umsetzung meiner kreativen Ideen zur Verfügung stand.

Ohne Exklusivautorin Karla Zimtinger, die sich später im Zuge eines damals noch völlig unbekannten, aber desto aufwendigeren Strukturentwicklungsprozesses in Carla Cimtinger umbenannte, wäre FUTTER nicht denkbar. Mehr muss ich zu dieser Frau, die die gesamte deutschsprachige Literaturgeschichte von der Vergangenheit bis in die Zukunft verkörpert, hier nicht sagen, weil ich es hier bereits gemacht habe. (Wer das liest, entdeckt dabei übrigens einen Hinweis auf den Ursprung des Namens „Emsemsem“, den ich diesem Blog gegeben habe.)

Und warum erzähle ich das alles? Ganz einfach: Ich präsentiere Euch heute eine Geschichte aus FUTTER Nr.4 mit dem Titel „Globulon nimmt Kurs auf Schröder XIII“. Dabei bitte ich zu beachten, dass FUTTER schon existiert hat, ehe mir Publikationen unterkamen, die dem damals aus England herüberwehdenen Punk verpflichtet und entsprechend furios und kurios gestaltet waren. Macht Euch also auf die Auswüchse einer wild vor sich hin wuchernden Fantasie gefasst. Übrigens taucht in dieser Geschichte der Name „Emsemsem“ erstmals auf. Er versteht sich als Verbeugung vor Karl Valentin, dem die Genießer Namen wie „Rembremerdeng“, „Hepperdepperneppi“ oder gar „Wrdlbrmpfd“ verdanken, dem sogar mein Kini die Reverenz erweist. Ich wünsche Euch viel Spaß in diesen sonst eher tristen Tagen mit Globulon nimmt Kurs auf Schröder XIII.

Abgesang auf Schinken und Schmöker

Noch ehe ich es gelernt hatte, war ich des Lesens auch schon überdrüssig. Während andere im vorschulischen Alter es gar nicht erwarten konnten, wie Erwachsene die Buchstabenfolge in Zeitungen und Büchern zu decodieren, wandte ich mich anderen als erwachsenen Dingen zu. Warum sollte mich auch interessieren, was andere zu Papier brachten? Bücher waren schließlich keine persönlichen Mitteilungen an mich.

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