jenes schweigen

es wäre fast natürlich
ja fast natürlich wäre es
man nennte jenes leben
welches du bist oder ich
das meine oder deins

doch ists egal wie man es nennt
es hüllt sich lieber doch
in jenes dichte schweigen
das lauter ist als jeder laut
der wortlos grollend aus den höllen tönt
um zu zertrümmern
was sich schützend wie die schale um das ei
um eben jenes leben legt
das heimlich als das meine reift
oder als deins

Das zahme Lamm

„Die Fische müssem Wasser ham”,
sagt quietschvergnügt das Weidelamm
und frisst dabei die Wiesn zamm.
Sonst aber ist es furchtbar zahm.

Die Fische

Die Fische, die im Wasser lem,
die lem schon ganz schön angenehm.
Sie müssen nicht ihr Beinchen hem
zum biesln, und nix geht danem.

Die Einladung

Friedrich Schiller schreibt die Ode
an die Freude, als ein Bote
von der Post ihn rotzfrech stört.

„Dass du in die Stube latschest
und mir in die Dichtung quatschest,
ist infam”, sagt er empört.

Friedrich Schiller ist erbost.
Was für Flegel schickt die Post!
Er käm, sagt der, von von Goethen.

Sofort muss der Bote sagen,
was ihm dieser aufgetragen.
Sei denn gar etwas vonnöten?

Goeth lädt ein, und zwar noch heut
zu Erlustigung und Freud,
schönstem aller Götterfunken.

„Aber“, sagt Fritz Schiller, „klar!
Um halbsieben bin ich da.
Werter Bote, seid umschlungen!

Grüßt mir den Geheimrat Göth
inniglich von Pöt zu Pöt.
Jetzt vollend ich mein Poem.“

Bald schon ist die Od‘ vollendet,
die sich an die Freude wendet.
Und der Bote denkt: Plemplem!

Der trübe Blick der gelben Rübe

Eine reife gelbe Rübe
blickt zur Kontrolle trübe
übern Acker.

Wo ihr Racker
denn nur bliebe,
denkt sie und
verkriecht sich
voller Groll und Schmoll
wieder in die angestammte Scholle.

Doch klein Rübchen
bläst kein Trübsal.
Drüben in den Ecken
spielt’s Verstecken
mit der Freundin rote Bete
aus dem Nachbargartenbeete.

Warte nur, du Möhrengöre,
spricht erzürnt die Muttermöhre,
wenn du heimkommst in die Krume
sollst du
bei der Sonnenblume
Wurzeln schlagen,
bis es dir vergeht
Verstecken spielen in den Ecken
noch so spät
mit roter Bet'.

Dabei gäb es vegetarisch
und als Nachtisch
Regenwasser,
frisch geregnet
aus der weich geharkten Scholle,
welche außerdem gejätet.

Doch die kleine Nachwuchsknolle
pfeift auf alles, was sie solle,
auf Genüsse aus Gemüse
und aufs Wasser in der Erde,
weil sie, sagt sie,
volle Pulle lieber über und nicht
unterhalb der Scholle
spiele und ganz dolle tolle.

Dein Widerspenst geht um

Wennst du dir zu viel Schnaps kredenzt,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst den Laternenpfahl umrennst,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst du die Gattin nicht mehr kennst,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst du dich deshalb von ihr trennst,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst du den ganzen Tag verpennst,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst du bei jedem Aua flennst,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst du die Post dem Falschen sendst,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst du beim Zwiebelschneiden tränst,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst du dich nirgends sicher wähnst,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst du den Ehering verpfändst,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst sonntags du die Schule schwänzt,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst 's falsche Haus putzt, dass es glänzt,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst geizig wirst und nix mehr spendst,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst wen mim Laserpointer blendst,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst du das Spiegelei verbrennst,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst jeden blödes Rindviech nennst,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst stehlend deinen Lohn ergänzt,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst auf der Autobahn umwendst,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst du im Vollsuff grässlich endst,
dann ist's, o Graus, dein Widerspenst.

Obst rennst, kredenzt oder verpennst,
obst kennst und flennst oder obst sendst,
obst wendst und tränst, obst wähnst, verpfändst,
obst schwänzt, ergänzt, glänzt oder spendst,
obst blendst, verbrennst, obst nennst und endst,
das ist, o Graus, dein Widerspenst.

Wennst glaubst, dass d'Bank dein Geld verzinst,
dass du den Haupttreffer gewinnst,
dass du mit Nichtstun Geld verdienst,
dass dich der Tod einst nur angrinst,
dann ist das bloß dein Hirngespinst.